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Der Hirt auf dem Kyffhäuser

  Georg Draud fürstliche Tischreden. Basel 1642. S. 327 f.
  (Aus einem Gespräch eines römischen Senatoris und eines Teutschen anno 1537 ausgangen. )
  Olearius thür. Histor. u. Chron. Lpzg. 1704. S. 180.
  Alte u. neue thür. Chronik. Arnstadt. 1725. S. 232.
  Grimm deutsche Sagen I, Nr. 296.

Etliche sprechen, dass bei Frankenhausen in Thüringen ein Berg liege, darin Kaiser Friedrich seine Wohnung habe und vielmal gesehen worden sei. Ein Schafhirt, der auf dem Berge hütete und die Sage gehört hatte, fing an auf seiner Sackpfeife zu pfeifen und als er meinte, er habe ein gutes Hofrecht gemacht, rief er überlaut: „Kaiser Friedrich, das sei dir geschenkt!“ Da soll sich der Kaiser hervorgethan, dem Schäfer offenbart und zu ihm gesprochen haben: „Gott grüss dich, Männlein, wem zu Ehren hast du das gethan?“ „Dem Kaiser Friedrich“, sagte der Schäfer. Der Kaiser sprach weiter: „hast du das ihm gethan, so komm mit mir, er soll dir darum lohnen.“ Der Hirt sagte: „ich darf nicht von den Schafen gehen.“ Der Kaiser aber antwortete: „folge mir nach, den Schafen soll kein Schade geschehen.“ Der Hirt folgte und der Kaiser nahm ihn bei der Hand und führte ihn nicht weit von den Schafen zu einem Loch in den Berg hinein. Sie kamen zu einer eisernen Thür, die alsbald von selbst aufging; da war nun ein schöner, grosser Saal, darin viele Herrn und tapfere Diener, die ihm Ehre erzeigten. Nachfolgends erzeigte ihm der Kaiser auch freundlich Ehre und fragte, was er für einen Lohn begehre, dass er ihm gepfiffen? Der Hirt sagte: „keinen.“ Da sprach der Kaiser: „geh hin und nimm von meinem güldenen Handfass den einen Fuss zum Lohn.“ Das that der Schäfer, wie ihm der Kaiser befohlen, ging auch den andern Tag nach Frankenhausen, verkaufte das Gold und erzählte, er habe dasselbe von Kaiser Friedrichen, und als er von dannen geschieden, habe ihm der Kaiser viel seltsame Waffen, Harnische, Schwerter und Büchsen sehen lassen und gesagt, er sollte den Leuten erzählen, dass er mit diesen Waffen das heilige Grab gewinnen werde. Darauf habe ihn der Kaiser wieder hinaus geleiten lassen.

Quellen: