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Die Jungfer auf dem Schlossberge bei Ordruf

  3. B. Heller's Merkwürdigkeiten aus der Landgrafschaft Thüringen S. 459.
  Falkenstein thür. Chron. I, 172 f.

Von Ordruf aus eine halbe Stunde Wegs nach Mittag zu seitwärts der Chaussee nach Oberhof liegt in einem stillen, einsamen und geschlossenen Waldthale der Schlossberg, an dessen Fusse sich ein kleiner Bach durch grüne Matten hinschlängelt. Auf diesem Berge soll in der heidnischen Vorzeit ein Tempel oder eine Opferstätte gewesen sein; Andere erzählen auch, dass dort in alten Zeiten ein Schloss gestanden habe. Zwar findet sich darüber in alten Schriften und Urkunden keinerlei Nachricht, nur die Namen Burggraben, Wall und andere erhalten die Sage von dem frühern Dasein eines Schlosses unter dem Volke wach und lebendig.

Auf diesem Berge, so erzählt die Volkssage weiter, lässt sich bisweilen eine Jungfer sehen, welche ein grosses Gebund Schlüssel an sich hängen hat. Sie erscheint jederzeit Mittags um die zwölfte Stunde und geht vom Berge herab nach dem Herlingsbrunnen, welcher unten im Thale liegt, badet sich in demselben und steigt dann wieder den Berg hinauf. Viele Leute wollen die Jungfer ganz genau gesehen, auch auf ihre Frage geantwortet haben, aber immer verschwand sie wieder mit einem tiefen Seufzer, denn das rechte Befreiungswort wurde nicht ausgesprochen. Das Bund Schlüssel trägt sie, um damit Gewölbe zu öffnen, in denen grosse Schätze verborgen liegen und demjenigen zu Theil werden, der das rechte Losungswort ausspricht, durch welches die Jungfer zu ihrer Ruhe kommt.

Quellen: