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Chronicon monasterii St. Petri in Paullini Syntagm. rer. Germ. p. 303 sq.
Eine Nonne aus dem St. Peterskloster in Kreuzburg geht eines Tages mit einer andern am Spatenberge vorüber. Weil sie nun hinter sich ein leises Geräusch vernimmt, schaut sie beim Gehen zurück und erblickt ein kleines altes Männchen mit einem langen Barte, doch freundlichem Blick, schneeweiss im Gesicht und auf dem Haupte; in seiner Rechten führt es ein weisses Stäbchen, auch ist es wohl gekleidet nach Art der Bauern. Das Männlein kommt näher herbei, nimmt gar freundlich sein Hütchen ab und grüsst die Jungfrau. Diese dankt ihm; darauf fragt das Männlein, wohin sie wolle, und als sie es gesagt hat, spricht es weiter: „nimm dich wohl in Acht, dass du nicht auf Irrwege kommst, dort sind dabei zeigt es mit dem Finger nach einem Hügel — verschiedene Kreuzwege, die den, der ihrer nicht achtet oder des Wegs unkundig ist, leicht abseits und in die Irre führen können. Doch sei nur guten Muths, ich will dich bis dahin geleiten und dir dann deutlich den Weg zeigen, den du sicher gehen kannst.“ Auf diesem Wege hörte Sibylla - so hiess die Nonne - vielerlei über die Wichtelmännchen in jener Gegend, insbesondere dass sie Niemanden etwas zu Leide thun; deshalb pflog sie auch mit dem Männlein längeres Gespräch und Unterhaltung. „Hast du nicht Lust,“ fragt sie unter anderm „die Jungfrauen im Kloster zu besuchen? Wir werden dir Eier, Milch, Butter, Kuchen und anderes der Art vorsetzen.“ „Ich werde kommen,“ sprach der Kleine, „nur möget ihr mich nicht zum Besten haben oder mir sonst Unruhe und Schrecken anthun, denn solches hat noch keiner von uns je ungestraft geschehen lassen.„ Während dieses Gesprächs kommen sie an den Hügel, da zeigt das Männchen den rechten Weg, grüsst wieder freundlich zum Abschiede, wünscht alles Gute und kehrt zurück in den Spatenberg.
Dieses hat Sibylla nachher dem ganzen Convent erzählt.
Quellen: