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Chr. Spangenberg Quernfurtische Chronik S. 134 ff.
Herr Gebhart von Quernfurt, dessen Bruder der heilige Bruno war, der Apostel der heidnischen Preussen, war ein gar ernster und gestrenger Herr; er hatte eine edle Gemahlin aus Sachsen gebürtig, deren Namen jedoch die alten Chroniken verschweigen.
Nun trug es sich zu, dass diese Frau in Abwesenheit ihres Herrn neun Kinder auf einmal auf dem Hause Quernfurt gebar, darob sie und alle die Frauen, welche um sie waren, heftig erschracken. Denn weil ihr Herr gar wunderlich war, besorgten sie, dass er gar schwerlich glauben würde, dass ein Weib von einem Manne so viel Kinder auf einmal haben könne, zumal da er öfters gar beschwerliche Gedanken und Reden von den Weibern, die zwei oder drei Kinder auf einmal zur Welt gebracht, gehabt und ihn Niemand hatte überreden können, dieselben für ehrlich zu halten. Die Frauen wurden daher in ihrer Furcht und Bestürzung unter einander eins, acht dieser Kinder heimlich bei Seite zu schaffen und nur das neunte und stärkste zu behalten. Demnach wurde eine der Frauen, die bei der Geburt gewesen, beauftragt die acht Kindlein in einem Kessel hinweg zu tragen und denselben mit Steinen beschwert in dem nahen Schlossteich unter der Mühle zu versenken.
Dieser Frau, welche mit dem frühesten aus der Burg hinweg ging, begegnete der heilige Bruno, welcher damals zu Quernfurt lebte und seiner Gewohnheit nach mit dem Tage ins Feld gegangen war, sein Gebet zu thun. Er ging aber unten am Berge bei dem schönen Quellbrunnen, der nachher der Brunsbrunnen genannt worden ist, auf und ab, als er die armen Kinder in dem Kessel unter dem Mantel der Frau, die stracks ihres Weges vorüber eilte, wimmern hörte. Verwundert fragt er die Frau, was sie unter ihrem Mantel trage; „,junge Wölflein,“ war die Antwort. Aber es will doch Herrn Bruno bedünken, als laute die Stimme nicht wie die junger Hündlein, rückt ihr deshalb den Mantel auf und befindet, dass sie acht kleine Kindlein trägt. Darüber entsetzt er sich über alle Massen und dringt in die vor Schrecken stumme Frau ihm zu sagen, wo sie mit den Kindlein herkomme, wem sie gehören und was sie mit denselben thun wolle. Zitternd berichtet sie ihm den ganzen Handel. Darauf gebietet ihr der heilige Bruno tiefes Schweigen über diese Sache gegen Jedermann, auch der Mutter sollte sie nicht anders sagen, als ob sie ihren Befehl ausgerichtet hätte, und nimmt die Kinder alsbald und tauft sie daselbst bei dem gedachten Brunnen, dann bringt er sie als vater- und mutterlose Waisen eins oder zwei in der Mühle unter dem Schlossze, die andern bei andern guten Leuten in der Nähe in Pflege und Erziehung und hielt alles geheim bis auf die Zeit, als er von Quernfurt aus wieder nach Preussen zu ziehen gedachte. Da hat er vor seinem Abschiede das Geheimniss seinem Bruder Herrn Gebhart offenbart, ihm auch berichtet, wo die Kinder bisher erhalten und noch anzutreffen wären. Zuvor hat sich aber sein Bruder mit einem Eide zum allerhöchsten ihm verpflichten müssen, die Sache nicht zu eifern, noch seiner Gemahlin in Unwillen entgelten zu lassen, sondern vielmehr seinen unbilligen Argwohn gegen andere Weiber und Gottes grosses Wunder und Gnadenwerk darin zu erkennen. Darnach ist er zu seines Bruders Gemahlin gegangen und hat dieselbe ihrer unbedachten und unmütterlichen That halber ernstlich erinnert und mit Worten gestraft, weil sie aber die Jahre her stets Reue und schmerzliche Betrübnis gehabt hatte, auch wiederum getröstet und zu rechter heilsamer Busse ermahnt; zuletzt hat er ihr auch erzählt, wie es mit den acht Kindern ergangen, wie sie von ihm getauft und erzogen und noch am Leben wären.
Da ist nun gross Leid und Freud bei einander gewesen, zumal als Herr Bruno die acht Knäblein holen liess und alle gleich gekleidet den lieben Eltern vorstellte, welche bald an der Kinder Gestalt, Gesicht und Gebärden gespürt haben, dass sie des neunten rechte Brüderlein und einer Mutter und eines Vaters Kinder gewesen sind. Was da für Freude gewesen, kann sich ein Jeder leicht denken und ist nicht nöthig viel Worte davon zu sagen.
Den Kessel, darin das Weib die Kinder von der Burg getragen hatte, zeigt man noch heutiges Tages zu Quernfurt, wo er in der Schlosskirche oben vor dem Chor in dem steinernen Bogen mit einer eisernen Kette angeschmiedet hängt, zum Andenken an diese Begebenheit.
Quellen: