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Die Untergänger 3.Sage

In der Rotenburger Markung hat man vor einigen Jahren noch sieben »feurige Feldrichter« zwischen der Silchenkirche und Hirschau bei Nacht herumlaufen sehen. Die hatten bei ihren Lebzeiten die Felder ungerecht vermessen und musssten deshalb nach ihrem Tod umgehen und alles nachmessen. Man sah sie besonders im Abvent und in der Fastenzeit. Sie vermaßen das Feld, wie es die Untergänger machen, indem sie mit ihren Stäben herumfuhren und dann sich berieten. Wer sie neckte, den schlugen sie mit ihren feurigen Stäben. Gegen Morgen sah man sie immer dem Gottesacker bei Silchen zulaufen und dort verschwinden.

Auch sonst kennt man überall in Schwaben die feurigen Feldrichter, die die Grenzsteine falsch gesetzt haben. Man sagt aber, wer das tue, der betrüge Himmel und Erde, denn es handelt sich dabei nicht bloß um einen schmalen Erdstrich, sondern ganz besonders um das, was darüber und darunter ist.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852