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Der Hausgeist Jokele

  Eine mündliche Überlieferung aus Wurmlingen

In Wurmlingen, dem jetzigen Rößleswirt gegenüber, lag der Hof und das Schloss der Wegezer (Wegenzer von Feldorf). Daselbst stand später ein Haus, in welchem sich ein Getsi aufhielt, der allerlei Arbeiten für die Bewohner tat. Er wiegte zum Beispiel die kleinen Kinder, warf Stroh und Heu vom Boden, holte Holz, Wasser und dergleichen. Allein bei jedem Auftrag musste man immer sagen: »It ze litzel, it ze viel!« Sonst machte er Dummheiten und übertrieb alles, schleppte den ganzen Holzstall in die Küche usw. Auffallend war es aber, dass man in diesem Haus kein Vieh halten konnte. Es magerte jedes Mal ab und krepierte in kurzer Zeit.

Als das Haus abgebrochen wurde und an der Stelle des Viehstalls ein Keller gegraben werden sollte, fand man daselbst die Gebeine eines Kindes, das jener Geist wahrscheinlich bei seinen Lebzeiten umgebracht und hier vergraben hatte. Denn nachdem man das Kind auf den Gottesacker in ein ordentliches Grab gebracht hatte, war dieser Poltergeist verschwunden.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852