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Weiße Schweine, die umgehen 6.Sage

  Eine mündliche Überlieferung aus Tübingen

In der Weihnacht um 1 Uhr zeigte sich früher zu Tübingen regelmäßig eine schöne Sau, die wie ein Mutterschwein dick und vollkommen ausgewachsen war. Sie kam aus dem Kornhaus an der Ammer und ging in die Marktgasse bis an ein gewisses Haus, kehrte dann um und verschwand, indem sie in das eine Eckhaus der Marktgasse ging. Andere sagen, sie sei vom Kornhaus bis an die Wettammer (bei der »krummen Brücke«) gegangen. Nun spricht man wenig mehr von dieser Sau. Man meint übrigens, es sei ein alter Kastenknecht, der falsch gemessen und stark getrunken habe und deshalb umgehen müsse, bis er endlich erlöst worden sei, denn jetzt sieht man ihn nimmer.

In der benachbarten Judengasse aber zeigt sich noch zu verschiedenen Zeiten des Jahres eine Sau mit zwölf Jungen.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852