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Das verhexte Kind

  Eine mündliche Überlieferung aus Wurmlingen

In Wurmlingen lebte früher ein Mann, der ganz allgemein für einen Hexenmeister gehalten wurde. Derselbe ging eines Morgens an der Tochter seines Nachbars, die 10 Jahre alt war, vorüber, griff dem Mädchen an den Kopf und sagte: »Du hast recht schöne Zöpfe.« Hierauf lief das Mädchen wie wahnsinnig nach Hause und erzählte, dass der Hexenmeister es an dem Kopf gefasst hatte. Seitdem sei es ihm ganz seltsam im Kopf.

Darauf ging der Vater mit einem geladenen Gewehr zu dem Hexenmeister und sprach: »Du hast mir mein Kind verhext und musst ihm auf der Stelle helfen, sonst erschieße ich dich.«

Der Hexenmeister sagte: »Ich will ihm helfen. Aber das sag ich dir, man sollte die Kinder nicht ungesegnet des Morgens aus dem Haus lassen.« Dann machte er etwas, worauf das Mädchen alsbald wieder hergestellt ward.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852