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Eine mündliche Überlieferung aus Neresheim
In dem Weiler Hofen bei Neresheim lebte früher ein Jäger, der ein großer Feind der Wilderer war. Einst ertappte er einen, dem er schon lange aufgepasst hatte, und obwohl der Mann sich ohne Gegenwehr binden und fortführen ließ, so geriet doch der Jäger unterwegs noch in solche Wut über ihn, dass er sein Gewehr auf ihn anlegte und ihn totschoss. Der Wilderer bat zwar um Gotteswillen, ihn zu schonen, er sei Vater von sieben Kindern. Allein umsonst. Wegen solcher Grausamkeit hat das Weib des Wilderers dem Jäger gewünscht, dass er umgehen möge bis zum jüngsten Tag, und der Wunsch ist in Erfüllung gegangen.
Einst war der Jäger mit seinem Sohn im Wald und sie beide schossen zugleich auf ein Wildschwein, und obwohl die Kugel des Sohnes den Vater nicht hätte treffen können, so fiel er doch tot nieder. Eine Wunde konnte man nicht entdecken. Als man die Leiche aus dem Haus trug, sah man ihn zugleich oben aus dem Fenster gucken, aber ohne Kopf. Seitdem ist er oftmals in verschiedenen Gestalten gesehen worden, indem er »Hoho!« schreit wie Jäger und Eulen. Das ist der »Hofener Geist« oder »Hofener Jäger,« den man in der ganzen Gegend kennt. Auch als Tier, als Hund, Fuchs, Schwein, Pferd usw. ist er schon erschienen.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852