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Eine mündliche Überlieferung aus Wankheim, Jettenburg, Kusterdingen und sonst.
Im Elsenwäldle, in einem kleinen Tal zwischen Tübingen und Wankheim, reitet der Schimmelreiter auf einem weißen, großmächtigen Gaul durch das Gehölz und trägt seinen eigenen Kopf wie einen Hut unterm Arm. Gewöhnlich reitet er still und ruhig, oft jagt er auch wie der Blitz dahin. Wenn er langsam ritt, hat es zuweilen schon ein verwegener Bursche gewagt, sich zu ihm aufs Pferd zu setzen, was der Schimmelreiter zum Schein wohl eine Weile duldete, dann aber den Mitreiter jedes Mal jämmerlich vom Pferde warf. Er führte auch die Menschen irre.
Einmal kam ein Mann mit einem Mehlsack von Tübingen her durch das Elsenwäldle, traf den Schimmelreiter und bat ihn, dass er den Sack auf sein Pferd legen dürfe. Dieser sagte weder ja noch nein, doch ließ er es zu. Als aber der Mann so neben ihm herging, war nach einer Weile alles verschwunden. Er ging darauf den Weg zurück und fand den Sack an derselben Stelle, wo er ihn dem Schimmel aufgeladen hatte, am Boden liegen.
Oft wenn man durch das Wäldchen geht, ist es oft so still darin, als ob alles eingeschlafen wäre, weil auch nicht ein Blatt sich regt. Dann wiederum bricht plötzlich ein Sturm los, dass man meint, es müssten alle Bäume zusammenbrechen. Und das kommt bloß von dem Schimmelreiter her.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852