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Eine mündliche Überlieferung aus Forbach
Auf der sogenannten Herrenwiese, zwei Stunden von Forbach entfernt, haben die badischen Markgrafen oft Tänze und Lustbarkeiten aufgeführt, daher man sie die »Herrenwiese« genannt hat. In der Nähe dieser Wiese liegen mehrere Seen, darunter auch der kleine Mummelsee, in welchem ehedem zwölf Seeweiblein wohnten. Die kamen zweimal des Jahres, zu Fastnacht und zu Martini nach Forbach zum Tanz, worauf die Burschen sie dann gewöhnlich bis zum See heimbegleiteten. Einst hatte sich ein Bursche mit seinem Seeweible verspätet und war hinter den übrigen zurückgeblieben.
Als die beiden endlich ankamen, hatten die anderen Seeweiblein, die sie am Ufer erwarteten, eine gar große Freude und schenkten dem Burschen zur Belohnung ein Bündel Stroh. Das nahm er, trug es eine Strecke weit und dachte: Was sollst du mit dem Stroh dich schleppen? Und warf es von sich. Aber ein Halm blieb noch an ihm zurück, und der war eine schwere Goldstange geworden, als er heimkam. Die hat er dann um gutes Geld an den Markgrafen von Baden verkauft.
Diese Seeweiblein sollen den Leuten auch bei der Arbeit fleißig geholfen und namentlich immer das Brot gebacken haben.
Wenn sie nach Forbach zum Tanz kamen, blieben sie immer nur bis abends 11 Uhr. Einst aber vergaßen sie die Stunde und kamen mit ihren Begleitern zu spät beim See an. Da jammerten sie und sagten, was ihnen drunten bevorstehe. Ihr Leben sei verwirkt. Wenn aber Milch aus dem See aufspringe, so sei es ihnen geschenkt, springe dagegen Blut, so sei das ein Zeichen ihres Todes. Der See wurde ganz rot, sobald sie hinabgestiegen waren, und man hat die zwölf Seeweiblein nie wieder gesehen.
Darauf soll der Herzog mit seiner Begleitung schnell von dannen geeilt sein.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852