<<< vorherige Sage | Vierte Abtheilung: Spukgeister- und Gespenstersagen | nächste Sage >>>
N. L. Mag. 1839 S. 358.
Auf dem Kirchhofe zu Horka, gegen Norden, dicht an der hohen Mauer, erblickt man ein langes, dicht mit Moos, Gras und Blumen bewachsenes Grab, dessen Hügel mit der Zeit eingesunken ist. Kein Leichenstein, kein Todtenkreuz nennt uns den Namen und die Schicksale dessen, der hier versenkt wurde, kein Greis des Ortes weiß darüber sichere Kunde zu geben; nur im Munde des Volkes wird er der grüne Mann und sein Grab das Grab des bösen Jägers genannt.
Als vor mehren Jahren der Todtengräber einem Verstorbenen das letzte Bett bereiten wollte, und die Schaufel in das Grab des bösen Jägers stieß, um hier ein neues Grab zu graben, bekam er von unsichtbarer Hand eine so derbe Ohrfeige, daß er, Schaufel und Geräth im Stiche lassend, scheu und entsetzt entfloh. Seitdem hat kein Todtengräber es gewagt, das Grab des bösen Jägers zu berühren und den Schlaf des grünen Mannes zu stören. Nur einer machte scheu den Versuch; allein das Grab war felsenhart und er konnte die Schaufel nicht in den Hügel stoßen. (Vgl. No. 56. Anm. 2.)
Quelle: Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann, 1862