<<< zurück | Volkssagen aus dem Riesengebirge | weiter >>>

Wie Rübezahl einen Reiter auf dem Gebirge foppt

„Und ich kehre doch nicht um,“ brummte ein Vornehmer vom Adel, als er einst übers Gebirge ritt, und das Bäuerlein, welches ihn führte, rieth, lieber im legten Dorfe zu bleiben. Und ich kehre doch nicht um.„ Also reitet er drauf los und kümmert sich weiter um nichts. Als die Beiden nun oben sind auf dem Kamm, und „nun gehts alles bergab“ sagt das Bäuerlein, „nun könnt ihr nimmer irren,“ da dankt er den Führer ab und reitet vorwärts. Von weitem sieht er unter sich ein Haus und denkt: das ist gewiß ein Kretscham, und also immer drauf los. Die Sache schien freilich gut, denn eben ging die Sonne hinter den fernen Bergen in Sachsen unter, und der Abend war schier da. Also denkt er: dort bleibst du über Nacht. Wie er nun so, die Herberge immer im Auge, dahin reitet, und sein Roß mit den Knieen gern zusammengebrochen wäre, wenns nur gedurft hätte, da sieht er eine schön gekleidete vornehme Frau und einen alten Bauern, welche in steter Umarmung vor ihm hingehen. Da wird er kiglich und denkt: „so etwas könntest du auch haben,“ und reitet drauf los, in der Hoffnung, Beide in der Herberge zu treffen und das Bäuerlein auszustechen. Aber er reitet und reitet, und wie er reitet und denkt „jezt bin ich bald dran,“ so wirds immer dunkler und dunkler und er hat die Beiden immer noch nicht erreicht. Auf einmal verschwinden sie hinter einem Gesträuch, und als der Reiter umherblickt, so hält er auf einer hohen Klippe, unter welcher ein finstrer Abgrund heraufgähnt. Solchen Liebesleuten jagst du fürder nicht mehr nach, sagte der Edelmann vor sich hin, und fand sich nur schwer von der Klippe herunter. Als er nun aber nicht lange darauf in der Dämmerung doch den Weg wieder gefunden, da dachte er ernsthaft über die Sache nach und sagte bei sich: Wer der Augen- und Fleischeslust widersteht, der bleibt immer in Nummer Sicher, das weißt du jetzt. So sagte er.

Quelle: