Wer des nachts an sumpfigen Wiesen oder gar Mooren vorüberkommt, braucht starke Nerven. Denn hier flackern immer wieder kleine Lichter auf, als ob jemand die Wandersleut erschrecken will. Wir wissen heute, dass faulender Schlamm Sumpfgase entstehen lässt, die sich gelegentlich selbst entzünden. Und wir wissen natürlich auch, dass sich gerade an Tümpeln Johanniswürmchen, auch Glühwürmchen genannt, besonders wohlfühlen. Beide Phänomene, genug, um Sagen von den Irrlichtern entstehen zu lassen. Trotz ihres abschätzigen Namens waren die Irrlichter im Spreewald „Blud“ genannt, nicht selten auch nützliche Wegweiser. Aber weh, wer unterwegs fluchte oder sie nicht gebührend entlohnte! Wer sicher nach Hause kommen wollte, musste dem Blud einen Dreier oder eine Quarkstulle versprechen. Viele Sagen erzählen davon. Eine davon geht so: Ein Bauer wollte eines Abends nach Hause, da kam ein Blud des Weges und der Bauer sprach: „Blud, Blud, führe mich nach Hause.“ Das Irrlicht erfüllt seinen Wunsch. Als sie jedoch wohlbehalten des Gehöft erreichten, verschwand der Bauer flugs in derTür. Da wurde der Blud wütend und tat, als wenn ein Stück Vieh brüllte. Der Bauer bekam es mit der Angst zu tun und schaute nach dem Rechten. Dabei fiel er in die Jauchengrube…! Er hatte vergessen dem Irrlicht seinen Lohn, den Dreier oder die Quarkstulle als Dank für seine Leistung zu geben!
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