Der Schatz des Wendenkönigs

  Edmund Veckenstedt: Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche. Leuschner & Lubensky, Graz 1880

Vor 50 Jahren etwa (um 1850) begaben sich zwei Brüder aus dem Dorfe Burg in finsterer Nacht nach dem Schlossberg, um den Schatz des Wendenkönigs, welcher seit undenklichen Zeiten dort vergraben liegt, zu heben. Nachdem sie ein großes Gefäß mit Geld gefunden, es auch glücklich bis an den Rand der Grube empor gehoben hatten, saß plötzlich zu ihrem Schrecken ein altes Weib auf dem ausgeworfenen Haufen Erde, welche sich als Hüterin des Schatzes erwies.

Sie fragte den ältesten der Brüder: „Was willst Du mit dem Gelde machen?“ Der sprach: „Ich will es für meine Wirtschaft gebrauchen.“ „Und Du?“, sprach sie zu dem anderen. „Ich werde es vergraben.“ Darauf verschwand die Frau vor ihren Augen. Die Bauern aber nahmen den Schatz mit sich.

Die Familie desjenigen Bruders, welcher das Geld in seiner Wirtschaft verwenden wollte, ist bis jetzt wohlhabend, und in der Wirtschaft ist alles in sehr gutem Stande. Aber die Familie des zweiten Bruders, der das Geld zu vergraben beabsichtigte, ist bis heute noch sehr arm, da der wieder vergrabene Schatz spurlos verschwunden ist und bis heute noch nicht wieder hat aufgefunden werden können.

Quellen: