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Vor dem Haintor zu Büdingen auf den Gärten unterhalb des Weinberges, sieht man allemal am Tage der Himmelfahrt Christi um die Mittagszeit ein altes gebücktes Frauchen umgehen, das hat nirgends Ruhe, krabbelt überall herum und steckt Bohnen. Daher heißt es allgemein auch das Bohnenweibchen. Wer weiß, wie lange es her ist, da lebte dasselbe in der Stadt, war ein böses Stück Weiberfleisch und fragte nach Gott und der Welt nichts. Auf des Herrn Himmelfahrtstag ging es in seinen Werktagskleidern hinaus und arbeitete in seinem Garten. Nun, nach seinem Tod, immer am Tage seines Frevels, muss es als ein Exempel der göttlichen Strafgerechtigkeit ohne Aufhören Bohnen stecken und ist von der Erlösung ausgeschlossen.
Eine frohe Gesellschaft, die einmal von dem Steinbruch herabkam, erblickte das arme Weibchen bei seinem unseligen Tun und war vor Schreck wie versteinert. Plötzlich wurde es aber groß und immer größer und entschwand den Blicken, ohne die geringste Spur zu hinterlassen.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873