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Der Richtplatz der Hexe

In der Erinnerung der Leute im südlichen Oberhessen lebt noch das Schicksal der Ratzenkatrein von Gambach, welche die letzte Hexe gewesen ist, die gerichtet wurde. Dazumal errichtete man den Scheiterhaufen vor dem Dorf, und die arme Person wurde darauf, obwohl sie mit viel bitteren Tränen und Verheißungen ihre Unschuld beteuerte, gottesmärterlich verbrannt.

Der Richtplatz liegt im fettesten Teil der Ortsgemarkung, aber man mag ihn düngen und ackern, wie man will, es ist noch nie ein Hälmlein darauf gewachsen. Man weiß gar nicht mehr, wie lange er so wüst liegt.

Ein altes Holzapfelbäumchen steht darauf, das ist seit Menschengedenken immer klein und verkrüppelt geblieben. Man hat noch nie eine Frucht daran gefunden.

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873