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Geht man den Fußpfad von Busenborn nach Breungeshain durch den Wald hinauf, der die Spitz heißt, so kommt man durch die unteren Breungeshainer Gartenbeete. In den Kriegszeiten haben hier die Leute Geld und Geldeswert vergraben. Ebenso hat ein berüchtigter Räuber im Vogelsberg, den man den Zahnarzt nannte, an einem Ort seine Schätze unter die Erde in Sicherheit gebracht. Als er in Siebenbürgen gedällert (gerädert) wurde, hatte er auf dem Hochgericht gesagt: »Wüsste ich nur einen Mann von Breungeshain, den könnte ich reich machen für immer!«
Alle sieben Jahre soll man in den Gartenbeeten ein blaues Flämmchen sehen. Macht man sich still herzu, so sieht man es auf der Erde liegen wie glühende Kohlen. So begegnete es einmal dem Mädchen des Breungeshainer obersten Müllers, dass es dies Geldfeuerchen leuchten sah. Es wusste von alle dem nichts, und als es die Kohlen betrachtet hatte und gewahr wurde, dass sie gar nicht brannten, nahm sie ein Hölzchen und raffte einen Teil davon in seine Schürze. Gerne hätte es sie alle mitgenommen, allein ein Kopf und ein Paar Hundepfoten kamen aus dem Boden herauf. Davor erschrak es. Seine Schürze verbrannte ihm nicht. Als es nun heimkam und seinen Eltern alles zeigen und erzählen wollte, fielen lauter funkelnagelneue Goldstücke auf den Tisch.
»O«, sagten seine Eltern zu ihm, »was bist du doch für ein dummes Mädchensding. Hättest du alles aufgerafft, so könnten wir jetzt vierspännig fahren.«
Da lief es schnell wieder an den Platz, wo das Feuerchen gebrannt hatte, und suchte und suchte. Es hat nichts wiedergefunden.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873