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Das Schloss Lißberg

In einem unterirdischen Gang des Lißberger Schlosses sind viele Kostbarkeiten aufbewahrt. Dieser Gang soll nach der Grimmelsbach führen und in einem Brunnen enden, der dort noch zu sehen ist. Vergeblich hat man schon oft versucht, dieser versunkenen Schätze sich zu bemächtigen. Einmal wäre es beinahe geglückt. Ein Maurer sollte in einem Keller etwas ausbessern und stieß auf den verschlossenen Eingang. Mutig steckte er sich seine Laterne an und tappte durch den schmalen Pfad vorwärts. Bald aber flog ihm eine Menge unheimlichen Getiers entgegen, dass ihn großer Schrecken überkam. Sein Licht wurde ihm ausgelöscht. Er fiel hin wie tot, und als er aufwachte, rieb er sich die Augen und würde das Ganze für einen Traum gehauen haben, wenn ihm nicht seine Laterne gefehlt hätte. Umsonst strebte er danach die Tür wieder zu finden, auch bis heute ist dies noch niemand geglückt. Der Teufel hält noch immer seinen Schwanz darüber.

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873