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Hartershausen liegt im Schlitzer Land und soll ehedem eine Burg gehabt haben, aus welcher der Graf erst einen Pachthof machte, nun aber ist es das Schulhaus. Es ist ein uraltes Gebäude mit riesig dicken Mauern und winzig kleinen Fenstern, dunklen Treppen und weiten Vorplätzen. Kein Wunder, dass die weiße Frau drin umgeht und sonst noch allerlei Unheimliches passiert. Eins hat aber nun aufgehört. Nämlich: Ehedem, wenn eine Frau im Haus in Kindsnöten lag, sahen die Bewohner ein uraltes Frauchen mitten auf der Türschwelle der Stube sitzen in ganz fremder Tracht, mit weißer Haube und schwarzem Deckel, und hörten es gar kläglich kritzen (ächzen) und stöhnen, als ob seine Schmerzen größer wären als bei der Frau im Bett. Man war seine Erscheinung längst gewohnt, als einmal der Balken der Türschwelle herausgenommen und neu eingezogen werden sollte. Da fand man ein kleines Särglein und in demselben das Gerippe eines neugeborenen Kindes. Diese Knochen wurden auf dem Kirchhof beigesetzt, und seit jener Zeit hat sich das arme Frauchen nie wieder sehen noch hören lassen.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873