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Das Necken der Heerwische

Das junge Volk von Großen-Eichen war einmal auf der Heßlers-Mühle beieinander am Sonntagabend und machte sich lustig. Da sahen sie im Elbengrund viele Heerwische auf- und abfliegen. Ein mutwilliger Junge machte das Fenster auf und rief ihnen aus Hohn zu:

Irrwisch, Jrrwisch, Feuerjo,
komm und schmeiß mich blitzeblo!

Aber er wusste nicht, was er tat. In hellen Haufen kamen die Heerwische herbei, flatterten mit ihren feurigen Flügeln vor den Gläsern (d. h. Fenstern) und der Tür herum und wollten absolut hineindringen.

Der Jugend verging das Lachen, sie hielten Fenster und Türe zu und standen Todesängste aus. Niemand getraute sich in der Nacht nach Hause. Am Morgen, als sie heim wollten, lag es vor den Fenstern, der Tür und auf dem ganzen Hof weiß von Menschenknochen, dass man nicht wusste, woher das Totenzeug alle hergekommen war. Seitdem hat man sie in Ruhe gelassen.

Andere sagen, der Knecht der Mühle habe dem Heerwisch zugerufen:

Heerwisch, fleug ausenã,
As wäi Hoâwersprã.

Als er nun des Morgens in die Scheuer geht und die Tennleiter hinaufsteigen will, fährt er entsetzt zurück. An jedem Sprissel derselben hängt nämlich ein Totenknochen.

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873