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Kampf mit der Hexe

Vor den Hexen kann man sich hüten, wenn man immer auf dem Wasen geht, statt auf dem Wege, und wenn schwarze Katzen im Feld auf Einen zukommen, soll man, so schnell man kann, über die Bach gehen oder quer über den Weg springen. Das wissen jetzt Viele nicht, warum solches gut ist. Der Behenröder Wirt jedoch hat's einmal erfahren.

Immer, wenn er nach Schotten ging, um sich für seine Kunden Wecke zu holen, und durch den Grund kam, wo vor Zeiten das Dörflein Giera gestanden hat, saß eine große unheimliche Katze am Weg, die sich aufblies und ihn mit ihren funkelnden Augen angrinste. Als sie wieder einmal da war, dachte er: „Wart, du Unhold, dir will ich den Laufpaß schon schreiben,“ und wie er nun an sie hin kam, und sie saß noch viel patziger da als sonst, warf er seinen Bündel von der Schulter und faßte seinen Stock, um ihr eins zu versehen.

In diesem Augenblick setzte sich ihm gegenüber die Katze ebenso auf, spie auch in ihre Pfoten und wollte ihm auf den Leib springen. Da that er einen jähen Sprung über den Kreuzweg, und das war ihm geraten, sonst hätte die Hexe ihn böse bezahlt und sicherlich die zwei Augen ausgekratzt.

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873