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Aus Schotten gingen zwei Weibsbilder den Weg nach Busenborn. Wie sie auf der Höhe über der Ziegelhütte, der Bockzahl geheißen, anlangten, sprang ihnen gar ein hübsches und lustiges grauweißes Kätzchen entgegen. Beide waren große Liebhaber von Katzen, und weil sie gerade etwas Brot und Speck bei sich hatten, so lockten sie das zutrauliche »Munzi« an sich, welches sich willig greifen und in die Schürze der einen tun ließ, aber durchaus nichts fressen wollte. So trugen sie das Kätzchen über die »Emesen-Weide« und durch den Wald bis auf den Wahnerweg. Eben wollte die, welche dasselbe trug, über die dort im Wege liegenden großen Steine schreiten, als sie mit Teufelsgewalt angefasst und rücklings auf den Boden hingeworfen wurde, wo sie laut schreiend liegen blieb. Die Begleiterin hob sie auf, denn sie hatte viele Schmerzen. Das Kätzchen aber war nirgends zu sehen. Zu Hause erzählten sie die Historie einem verständigen Mann, der legte sie ihnen aus, wie es recht war. Die Katze war eine Hexe gewesen, die hatte sich von ihnen tragen lassen bis an den Kreuzweg, über den sie nicht durfte, da war ihre Grenze. Am Leib aber, sonderlich an den Armen, hatte das Weib blitzblaue Male, die waren noch lange mit Blut unterlaufen.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873