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Weiße Frau zu Burggemünden

Einer armen Bauersfrau zu Burggemünden erschien zur Zeit des letzten französischen Krieges, es war in den Fasten, in ihrem Haus eine weiße Frau und bat sie mit gar beweglichen Worten um ihre Erlösung. Sie sagte ihr, nun, während des Krieges, sei dazu die ersehnte beste Zeit vorhanden. Gehe die ungenutzt vorüber, dann müsse sie noch hundert Jahre weiter ohne Ruhe umgehen. Um ihr von ihrer Verwünschung zu helfen, solle sie sich noch zwei Leute wählen, die aber schweigen könnten, und mit denselben bei einem Haus im Dorf und auf dem Mühlberg an einem Platz, der ihnen gewiesen werden sollte, graben. Da liege ein verborgener und längst vergessener Schatz in einer großen, eisernen Kiste, den könnten sie heben und als Lohn der Erlösung für sich behalten. Auch lehrte sie die weiße Frau ein Lied, das bei solchem Tun müsste gebetet werden. Die dumme Weibsperson aber, die weder lesen noch schreiben konnte, merkte sich zwar die Worte desselben, aber von der wunderlichen Geschichte zu schweigen, das war ihr zu viel zugemutet. Sie plauderte das Geheimnis bei jedermann aus, der es hören wollte, und erfüllte damit die ganze Gegend, hatte aber auch den Schaden alsbald zu erfahren. Die weiße Frau kam nicht wieder und mit dem Schatzfinden war es nichts!

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873