<<< zurück | III. Umzüge der Götter | weiter >>>

An der Astruth

Die Astruth, die große und die kleine, so heißen nämlich zwei kleine Bergwäldchen auf dem Höhenzug, wo der Gackerstein nach Michelbach hinabzieht. An dem Platz ist schon mehr als einem das Lachen vergangen.

Zwei Busenbörner wollten dort einst am Abend Holz holen. Als sie im Wald sich befanden, war es ihnen, als rausche neben ihnen ein großes Wasser. Ein Hund oder ein anderes Getier patschele auf sie zu. Sie konnten nicht ausmachen, was das für ein seltsames Ding sein sollte, und huben sich eiligst davon. Zu Hause aber schämten sie sich ihrer Furcht und kehrten des folgenden Abends zu viert an denselben Ort zurück, nachdem sie sich fest das Wort darauf gegeben hatten, der Sache auf den Grund zu sehen. Dazu konnten sie bald kommen. Denn kaum dort angelangt, zog es die Breungeshainer Haide herunter mit gottesmärterlichem Spektakel. Alles schallte durcheinander: Vogelstimmen, Hundebellen und Jauchzen, Gaulgetrappel und Wiehern, dass man sich die Ohren zuhalten mochte. Mitten inne im ganzen Lärm aber tönte es wie die Stimme eines Menschen, der dem Wesen gebot. Die vier erinnerten sich ihres Versprechens und eilten, jeder auf einem anderen Weg, auf die Gegend des Lärms zu. Aber da war es still. Tief unten im Michelbacher Grund dagegen ging nun der Spektakel los; und doch war es windstill überall und dann wieder über ihnen und neben ihnen. Da hielten sie es fürs Beste, umzuwenden und waren herzensfroh, als sie die Lichter des Dorfes erblickten, wo sie ganz vergeistert ankamen. Es wird ihnen ewig gedenken.

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873