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Der Weg des wilden Jägers

Allemal, wenn der wilde Jäger sich spüren lässt, kommt er vom Oberwald über die Helgenäcker die Heide herab. Ein Mann aus Busenborn ging noch spät von Ilbeshausen zurück. Als er an die Breungeshainer Fichten kam, wo die Wege sich kreuzen, hörte er auf einmal halb vor, halb hinter sich ein Pferd hudern (wiehern). Er dachte anfangs, es seien wohl noch Leute auf dem Feld, weil er auch einen Wagen ganz deutlich näherkommen hörte. Allein er mochte sich in der mondhellen Nacht umsehen, so viel er wollte, er sah nichts. So fuhr der Zug mit erschrecklichem Windbrausen an ihm vorüber, dass er meinte, Pferde und Wagen gingen über ihn weg. Er tummelte sich also, soviel er konnte, dass er heimkam. Als er ins Dorf eintrat, hürnte der Wächter gerade Mitternacht.

Sein Ellerknänn (Großvater) aber, der noch wach war, sagte ihm, als er das Stücklein mit Schauder erzählte: »Das wundert mich gar nicht, dort ist immer etwas mit dem wilden Jäger der Märe gewesen.«

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873