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Zog der wilde Jäger vor Zeiten aus, so kam er immer vom Vogelsberg das Tal herab über die Wadenhäuser Mühle und fuhr mit seinem ganzen Heer in den Laubberg hinein, der über Solms-Ilsdorf liegt. Dies geschah regelmäßig im Spätherbst bis gegen die Christtage hin, immer nach dem Abendgeläute. Ein langer feuriger Streifen am Himmel zeigte dann allemal seinen Weg an. Im selben Augenblicke gab es im Wald ein abscheuliches Wesen mit Räderknarren, Geiselplatzen, Trompetenblasen. Man hörte alle Tier-, Vögel- und Menschenstimmen durcheinander, und dabei wurde der ganze Wald so licht, dass man jedes Blättchen an den Bäumen hätte erkennen können.
Wenn die Ilsdörfer Weibsleute, die in den jungen Tagen dazumal noch dick in den Brechscheuern saßen, dies alles sahen und hörten, dann ließen sie die Arbeit liegen, hielten die Ohren zu und flohen, so schnell sie konnten, ins Haus. Draußen traute es niemand sich auszuhalten und den Herzhaftesten entfiel der Mut.
Auch erzählt man, dass bei solch einer Gelegenheit, als der wilde Jäger einmal sehr geschwind fuhr, ein Rad von seinem Wagen losgegangen und vom Himmel mit einem großen Rumpel wie bei einem rechten Donnerwetter auf die Erde gefallen sei.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873