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Das wilde Weibsbild bei Birstein

Eine Waldhöhle zwischen Birstein und Neuenschmitten heißt man Am wilden Weibsbild. Riesengroße Felsplatten liegen da so künstlich übereinander geschichtet, dass es wie eine haushohe Mauer aussieht. Das soll der Überrest vom Schloss sein, worin das wilde Weibsbild wohnte, und wäre von ihm selbst gebaut worden, so stark wäre dasselbe gewesen. Das ganze Land rings herum gehörte ihm zum Eigentum und war ihm zehntbar.

Das war aber so gekommen: Das wilde Weibsbild hatte gesagt, es wolle nur so viel Land haben, wie es mit einer Kuhhaut bedecken könnte. Als man ihm das erlaubte, schnitt es die Haut in ganz klimperkleine dünne Riemen und erlangte so die Herrschaft über die ganze damit umspannte Gegend. Ehemals hat man das wilde Weibsbild auch gesehen. In der Adventszeit ging es um, weiß vom Kopf bis zum Fuß, und zwar um Mittag als auch gegen Abend. Aber das ist schon lange her. Jetzt hört man nicht viel mehr von den alten Geschichten.

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873