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Das Weingartenloch - 2.Sage

Der Hirt von Osterhagen hat einmal hinter einem Eichenbusch gelegen, da sind aus dem Weingartenloch zwei Männer hervorgekommen, haben sich auf einen Stein gesetzt und da getrunken. Dabei haben sie ihm gewinkt und er ist zuletzt auch hingegangen und hat mit getrunken. Darauf hat er sich wieder hinter den Eichenbusch gelegt und ist eingeschlafen. Als er nach einiger Zeit aufwacht, liegt er in einer prachtvollen Kammer und in einem kostbaren Bett; davor auf einem Stuhle hat auch Zeug gelegen, aber nicht seine Hirtenkleidung, sondern schmucke vornehme Gewänder. Er kleidet sich an und weil er nicht weiß, was das Alles zu bedeuten hat, so zieht er endlich auch einen Glockenzug, der dort hängt, und darauf erscheint eine Dienerin. Sie führt ihn von seiner Kammer herunter, und so wird er gewahr, daß er sich in einem großen Kaufmannshause befinde; da haben unten die beiden Männer, mit denen er getrunken hat, hinter dem Kaufmannsladen als Ladendiener gesessen. Sie haben auch jetzt nichts gesagt, doch ist der Eine von ihnen mitgegangen und hat ihn in der Stadt umhergeführt, in der das Haus gelegen hat. So hat er ihn dreimal im ganzen Hause umhergeführt, da hat er endlich zu reden angefangen und den Hirten gefragt: ob er Lust hätte nach seiner Heimat zurückzukehren. Als er darauf mit Ja geantwortet, hat der Kaufmannsdiener gesagt, er solle sich wünschen, was er aus dem großen Kaufmannshause mitnehmen wollte, ihm auch gerathen, er solle sich entweder einen goldenen Hirsch oder einen goldenen Hasen wünschen. Darauf hat der Hirt scherzend geantwortet: So wollte er sich einen goldenen Hasen wünschen, der könnte wol am besten laufen. Danach hat der Hirt sich wieder in das kostbare Bett legen müssen, und als er aufgewacht ist, hat er wieder hinter dem Eichenbusch beim Weingartenloch gelegen. Auch hat er sein Hirtenzeug angehabt wie gewöhnlich, neben ihm aber hat ein goldener Hase gelegen. Ueberdies hat noch ein Stein neben ihm gelegen und von dem hat ihm der Kaufmannsdiener, ehe er sich wieder in das kostbare Bett gelegt hat, gesagt: Wenn er mit dem Steine vor das Weingartenloch käme, so würde sich das vor ihm aufthun. Seine Kühe sind verschwunden gewesen und als der Hirt nach Osterhagen zurückgekommen ist, hat er vernommen, daß die Leute ihr Vieh an jenem Tage haben in der ganzen Gegend zusammensuchen müssen. Für den goldenen Hasen hat dem Kuhhirten nachher ein Jude zweitausend Thaler ausgezahlt. Den Stein aber hat er später einmal auseinander geschlagen und die eine Hälfte davon einem treuen Kameraden gegeben und ihn aufgefordert, mit ihm in das Weingartenloch zu steigen. Als sie nun Beide darin gewesen, sind sie auseinander gekommen, und da hat sein Kamerad die Hälfte des Steins, die er in Händen gehabt hat, weggeworfen, und deshalb hat er sich nicht wieder zu ihm finden können. Der Kuhhirt aber, der die Hälfte des Steins in der Hand behalten hat, ist glücklich wieder ans Tageslicht gekommen und hat große Schätze an edlem Erz aus dem Weingartenloch getragen.

Quellen: