<<< zurück | Sagen der Herzberger Gegend | weiter >>>
Auf dem Güß, einem großen Wasser bei Herzberg, hat ein großer Ackerhof gestanden, worauf steinreiche Leute gewohnt haben. Einstmals ist ein Bettler nach diesem Ackerhofe gekommen und hat Nachfrage um ein bischen Brot gethan. Da hat ihm die Herrin ein bischen Brot gegeben, und der Bettler hat gesagt, sie möchten ihm doch auch ein wenig Butter geben, denn er wäre so alt und schwach und deshalb thäte ihm auch einmal ein bischen Zubröde gut, und solche Leute wie die auf dem Ackerhofe hätten es ja auch nicht gespürt an ihrem Reichthume, wenn sie dem Bettler auch ein bischen Zubröde gegeben hätten. – Da hat die Herrin das Brot zurückgenommen und Dreck auf das Stück geschmiert vom jüngsten Kinde, das sich soeben beschmutzt hat. Der Bettler, welcher altersblind gewesen, ist seiner Wege gegangen, ohne bemerkt zu haben, was auf seinem Brote gewesen ist. Unterwegs aber hat der Alte Appetit verspürt und sein Brot hervorgezogen, um es aufzuspeisen. Als er nun dabei merkt, was die reichen Leute gethan, denkt er bei sich selber, sie hätten doch an dir verdient, daß sie gleich sammt ihren Schätzen untergingen. In demselben Moment, daß er dies gesagt hat, ist sogleich das Schloß untergegangen, und sein Wunsch ist sogleich eine Strafe für die schlechten Menschen geworden, die ihnen Gott gesandt hat. Nach dieser Zeit ist ein Wassertaucher gekommen, der ist so lange in diesem Wasser gewesen wie in keinem andern. Wie derselbe herausgekommen ist, hat er gesagt: Nun und nimmer ginge er wieder in dieses Wasser, denn unten im Wasser wäre er auf ein Haus gekommen, vor demselben hätten vier große schwarze Pudelhunde mit feurigen Augen gelegen, die hätten Feuer gespien, und ihres Gleichen an Größe und Stärke hätte er auf der Erde noch nie angetroffen, denn ein Hund wäre wol so groß wie ein Löwe gewesen, und er hätte, wenn er sich nicht für einen Dachdecker aus dem Dache ausgegeben hätte, sterben müssen. Da sind einige Herren unter den Zuschauern gewesen, die haben dem Wassertaucher tausend Thaler geboten, wenn er einen Ziegel von dem Dache des Hauses hole. Der Wassertaucher, welcher geldgierig gewesen, ist noch einmal untergetaucht und nie wieder ans Tageslicht gekommen, vermuthlich haben ihn die vier Hunde zerrissen. Die vier schwarzen Hunde sind aber umschicht (abwechselnd) nachher in Herzberg umhergegangen und haben Jeden, der Nachts auf die Freit gegangen ist, ins linke Bein gebissen.
Quellen: