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Die Juden von Förste

In Förste lebte früher eine große Anzahl Juden, die aber nachher durch eine Revolution der Bauern gegen sie vermindert wurden. Diese Revolution brach auf folgende Weise aus. Die Christen in Förste hielten sich einen Dachdecker, der ihnen was decken mußte, die Juden hielten sich auch einen Dachdecker, der Jude sein mußte. Der Christendachdecker deckte eines Tages bei seinem Nachbar auf dem Dache Ziegel, aber unglücklicherweise hatte es ein bischen gemisselt (fein geregnet) und der Dachdecker rutschte beim Decken aus und fiel einem Juden, der unten gerade vorbeiging, auf den Kopf, sodaß derselbe todt niederstürzte. Ueber diesen Vorfall empörte sich die ganze Judenschaft und verklagte die Christen in Rom bei dem Papste. Der Papst, welcher den Juden auch nicht gut war, fällte folgendes Urtheil: Es sollte der Judendachdecker auf ein Dach steigen, und einen Christen, der unten vorbeiginge, todtfallen. Als nun dieses Urtheil kam, hielten es die Juden für günstig, um sich für den todtgefallenen Juden zu rächen, und der Dachdecker mußte sogleich auf dem Tempel steigen, denn sie meinten, wenn er sich vom Tempel herunter auf den Christen stürzte, würde Gott ihm beistehen, Es kam denn auch bald ein Christ an, und der Judendachdecker stürzte sich sogleich von der Zinne des Tempels herunter, fiel aber nicht den Christen todt, sondern sich selbst, weil er vorher nicht gezielt hatte. Hiermit waren die Juden noch nicht zufrieden, und weil sie keinen Dachdecker mehr hatten, so stellte sich ein Jeder selbst auf sein Dach, lauerte einem Christen auf und stürzte sich herunter; aber kein Einziger fiel einen Christen todt. Nach dieser Periode wurden die Juden seltener in Förste, nur ein paar Familien, die vernünftiger waren, blieben, und ihre Nachkommen leben noch in Förste.

Quellen: