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Im Jahre 1138 sind große Feuersbrünste entstanden in Goslar, Mainz, Speier und Hall in Sachsen. In eben diesem Jahre am 3. December starb Kaiser Lothar, unter welchem sich das Reich ein wenig wieder erholet hatte. Näher aber wird über des Sachsen-Kaisers Tod also berichtet: Der Papst litt Noth an dem König von Neapolis und einem Herzoge, da rief er den Kaiser Lothar zu Hilfe. Der sammelte Volk und zog in die Lombardei und überwältigte die Feinde des Papstes. Da war aber eine Burg, auf der waren viele Räuber, die beraubten alle Lande. Das verdroß den Kaiser und er nahm die Burg und fing fünfhundert Räuber, die ließ er Alle hängen, und brannte die Burg rein aus. In der Angst aber gaben sich alle Städte und Burgen unter den Kaiser. Solches geschah vor Pfingsten.
Da dies geschehen war, zog der Kaiser in die nächste Stadt. Da kam auch der Papst Innocentius, und das war in den Pfingsttagen, da sang der Papst die Messe im Münster zu Sanct-Nikolaus. Da sah man oben in der Kirche eine goldene Krone vom Himmel niederschweben, darüber saß eine weiße Taube und unter der Krone waren noch andere Zeichen zu schauen. Das wunderte alle Leute und ein weiser heiliger Mann deutete es dahin, das bedeute die Einigkeit und den Frieden zwischen dem Kaiser und dem Papste. Dieser Papst gab dem Kaiser Lothar auch den Ablaß zu Luther in Sachsen. Nun wollte der Kaiser Lothar wieder nach Haus, als er aber nach Nürnberg kam, da starb er und wurde von Nürnberg hergeführt in das Land zu Sachsen nach Königsluther.
Quelle: Sagen des Ober-Harzes und der Gegend von Harzburg und Goslar bis zur Grafschaft Hohenstein und bis Nordhausen, gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. Heinrich Pröhle., 1853, Brockhaus Leipzig;