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Mündlich aus Jüngersdorf
In der Lochmühle bei Langerwehe wohnte ein Knecht, der die Mühlenkarre nach Echtz fuhr. Er lernte dort ein Mädchen kennen, das er freien wollte. Man warnte ihn vor dem Mädchen mit den Worten: „Du gehs bei ehnt, das es net richtig, die hüet zom Hexereih, on es sählde ovends dohem.“ Er wollte das nicht glauben, obschon er das Mädchen manchmal nicht zu Hause antraf, wenn er abends seinen Besuch machen wollte. So kehrte er an einem Abende nach einem vergeblichen Besuche wieder heimwärts.
Zwischen Echtz und Geich hörte er auf einmal Musik und Gesang von der „Duffesmaar“ herüberschallen. Neugierig ging er näher und sah zu seinem Erstaunen den „Hexenreih am Danze on juhze“. Die Hexen hatten sich mit den Händen gefaßt und tanzten immerfort rund, nach dem Takte einer eigentümlichen Musik. Der Knecht hielt sich versteckt und schaute dem lustigen Treiben eine Weile zu. Wie erschrak er, als er bei einem Rundtanze auch sein Liebchen erblickte!
Schleunigst begab er sich auf den Heimweg mit dem Vorsatze, sein Mädchen nie mehr zu besuchen. Das Mädchen aber hatte ihn gesehen, und es war überzeugt, daß es mit ihm nicht zu einer Heirat kommen würde. Es rächte sich deshalb an ihm. Aufr dem Wege zur Mühle empfand der Knecht einen stechenden Schmerz im Beine. An anderen Morgen mußte er vor Schmerzen liegen bleiben, und drei Tage lang ließ der Knecht sich nicht in Echtz blicken. Da ging das Mädchen zur Mühle und fragte nach ihm. Es erhielt aber zur Antwort: „Kasper litt em Bett on kühmp voll Peng em Been on kann net opstohn.“
Auf seine Bitten hin ließ man das Mädchen zu dem Knechte, und es zog ihm aus dem rechten Knie eine Stopfnadel heraus und sagte zu ihm: „Du willst mich doch jetzt nicht mehr, aber ich sage dir, verschweige, was du gesehen hast, sonst geht es Dir schlimm:“ Damit schritt die Hexe zur Türe hinaus. Der Knecht sprang aus dem Bette, aber er konnte nicht schweigen. Zur Strafe wurde er krumm, und nur humpelnd konnte er sich fortbewegen. Er erhielt den Namen „Möllekromm.“
Quelle: Heinrich Hoffmann Zur Volkskunde des Jülicher Landes, Sagen aus dem Indegebiet, 1914, Nr. 82