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Mündlich
Eine arme Frau hatte vor langen, langen Jahren durch Krieg und Unglück jeder Art all ihr Hab und Gut verloren, und irrte verlassen im Walde umher, un ihren Kindern einige Früchte und Wurzeln als Nahrung zu suchen. Sie dachte nicht anders, als sie müsse verhungern mit ihrer ganzen Familie und das Herz war ihr so schwer, wie noch nie in ihrem Leben. Ihr größter Kummer war, daß sie wußte, ihr Mann habe unter einer alten Buche im Wald eine kleine Summe Geldes vergraben, und daß sie diesen Baum, von dem so viel abhing, trotz alles Suchens nicht finden konnte. Als sie nun so schluchzend und jammernd da saß, hörte sie plötzlich eine Stimme, welche sie beim Namen (sie hieß nämlich Anna) und ihr zurief: „Anna rode!“ (d. h. Anna grabe!) Sie schaute sich um und sah eine von Glanz umflossene Frau an einer alten Buche stehen, welche sie jetzt wiederholt ermahnte: „Anna rode!“ Gleich darauf verschwand die Erscheinung. Die arme Frau grub sogleich an dem Baum nach und fand nicht nur ihr Geld, was gar wenig war, sondern dazu noch einen großen mit goldnen Münzen gefüllten Topf, so daß sie die Reichste in ihrer ganzen Gegend war. Da sank Frau Anna auf ihre Knie nieder und dankte Gott und seinen Heiligen für das Geschenk Seiner Gnade, gelobte auch an dem Ort zum ewigen Gedenken der Sache eine Kapelle zu bauen. Das geschah und sie wohnte bei der Kapelle, so lang sie lebte, und sie wohnte nicht lange allein daselbst. Nach und nach siedelten sich noch andere dort an und so entstand das jetzige Dorf, welches nach dem Ruf, den Anna bei der Buche hörte: Annarod genannt wurde.
Quellen: