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Die Prozession auf der Starkenburg

  Mündlich

Einer Frau in Heppenheim träumte, sie sei auf der Starkenburg und sehe das Schloß wieder ganz hergestellt in seiner alten Pracht. Ueber die Brücke gehend, sah sie im Schloßhof die Kirche und hörte das Glöcklein läuten; zugleich öffnete sich die Thür der Kapelle und es kam ein großer Zug heraus, voran ein Kreuz, dann Kinder mit gefalteten Händchen in weißen Kleidern und weißen Schuhen, endlich Jungfrauen und Frauen, die sangen gar fein und lieblich. Unter den Kindern sah sie auch ihr eig nes, aber viel schöner als es wirklich war, das wandte ihr das Köpfchen zu und lächelte sie freundlich an, so daß ihr ganz selig ums Herz wurde. Indem verschwand Alles und sie erwachte, doch war es ihr plötzlich recht beklommen und sie machte Licht, um nach dem Kind zu sehn. Das lag allzu schön in seinem Bettchen, als sie es aber küssen wollte, war es kalt und todt.

Quellen: