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Mündlich
Ein Mann aus Heppenheim ging eines Tags gegen Kirschhausen zu. Damals war die Landstraße noch nicht so schön angelegt, wie jetzt, der Wald reichte noch herab bis auf den Weg. Da sah er hart an der Straße auf einem Markstein einen Mann sitzen, der hielt einen Apfel in der Hand und winkte ihm, näher zu kommen. Der Heppenheimer trat auf ihn zu und fragte: „Was willst du denn?“, „Laß mich einmal mit dir schnupfen“, sagte der Mann „ich gebe dir meinen Apfel dafür.“ „Schnupfen laß ich dich, aber den Apfel behalte nur“, sagte der Heppenheimer und zog seine Dose und gab dem andern eine Prise, doch dieser bestand darauf, den Apfel müsse er nehmen. „Wenn du nicht anders willst, her damit,“ sprach der Heppenheimer lachend, nahm den Apfel und ging seines Weges fort.
In Kirschhausen hatte er Geschäfte, machte sie rasch ab und begab sich auf den Rückweg. Vor dem Ort dachteer des Apfels, zog ihn heraus, holte sein Messer hervor, und wollte den Apfel anschneiden, doch das Messer drang nicht ein und der Apfel wurde immer schwerer und als er genauer zusah, da schimmerte es an der Stelle, wo er hatte schneiden wollen, wie pures Gold. Anfangs wurde es ihm fast unheimlich bei der Entdeckung, aber dann war er doch überglücklich, denn einen solchen Handel hatte er sein ganzes Leben lang noch nicht gemacht. „Das laß ich mir gefallen, für solch einen Apfel gebe ich noch eine Prise Tabak“ rief er und im selben Augenblick sah er den Mann, der noch immer auf dem Stein saß.
„Wie hat dir mein Apfel geschmeckt?“ rief der ihm entgegen und der Heppenheimer sprach: „Geschmeckt? Nach mehr, denke ich.“ „Das kannst du haben,“ sagte der Mann „geh nur mit mir!“ Der Bauer folgte ihm durch den Wald und kaum waren sie, wie er meinte, fünfzig Schritt gegangen, da standen sie schon oben auf dem Berg in den Trümmern der Starkenburg. Da sprach der Mann: „Der Apfel hat wohl seinen Werth, doch das ist gar nichts gegen das Gut und Geld, welches hier vergraben liegt. Das aber ist Alles dein wenn du willst.“ „Ei gewiß will ich, ich verlange nichts mehr,“ sprach der Bauer. „Gemach, gemach,“ sagte der Mann; „so ganz umsonst bekommst du es nicht, etwas mußt du dafür thun, aber es ist nicht schwer und du wagst nichts dabei. Komme die Nacht gegen zwölf Uhr wieder, dann wirst du drei schöne weiße Damen sehen, deren eine ein großes Bund Schlüssel trägt. Jeder dieser Schlüssel gehört zu einem großen Kasten und jeder Kasten ist voll Gold und Silber. Sie werden aber sogleich wieder verschwinden und in der Gestalt, worin sie verwünscht sind, zurückkommen, nämlich als drei feurige Schlangen. Hast du Muth, diese zu küssen, dann sind sie erlöst, sie stehen vor dir als jene schönen Damen und geben dir die Schlüssel, so daß du alle Schätze dir holen kannst und der reichste Mann im ganzen Land wirst. Furcht brauchst du nicht zu haben, denn es geschieht dir nichts und das Feuer brennt nicht.“ „Dann will ich es schon wagen“ sprach der Bauer und gab dem Mann die Hand drauf.
Als er nach Hause kam, zeigte er den goldnen Apfel seiner Frau und seinen Verwandten, erzählte ihnen auch die ganze Geschichte und das war gefehlt. Denn jetzt bestürmten diese alle ihn so sehr mit Bitten, er solle es doch nicht thun, und machten ihm so sehr Angst vor der Sache, daß er es aufgab und nicht hin ging, so daß die drei Jungfrauen unerlöst blieben und jetzt noch droben umwandeln.
Quellen: