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Die Eingemauerte

Als die Freiherren von Röhrenfurt noch das Schloss Eisenbach besaßen, sollte einmal ein Kind dieser Familie von seiner Amme entwöhnt werden. Diese wurde fortgeschickt und statt ihrer ein Kindermädchen angenommen, ein braves, unschuldiges Blut, dem das Kleine ganz übergeben wurde, denn die Herrschaft musste gerade zu der Zeit wohin verreisen. Das Kind wollte aber gar nichts von der neuen und ungewohnten Nahrung wissen. Es verlangte nach der Brust der Amme und schrie Tag und Nacht. Das arme Mädchen war trostlos und wusste sich gar nicht mehr zu helfen, bis es zuletzt das Kind an seine eigene Brust legte. Und siehe da, es wurde still und zog Milch und blickte das Mädchen so freundlich an, dass es nicht widerstehen konnte und ihm alle Tage seilte reine Brust reichte. Als die Herrschaft kurz darauf zurückkehrte, erzählte das Mädchen ihr in seiner Unschuld alles, wie es sich zugetragen hatte. Aber statt Dank zu ernten, nannte der Herr von Röhrenfurt sie eine leichtfertige Dirne und befahl, sie sofort zur Strafe lebendig einzumauern. Dies geschah auch, wie sehr die Arme ihre Unschuld beteuern mochte, wie sehr sie jammerte und um ihr Leben bat.

Seitdem war es in dem Zimmer, wo sie eingemauert worden war, und wo man noch heute die Nische, darin sie ihr schuldloses Leben aushauchte, sieht, nicht mehr geheuer. Man sah oft einen feurigen Hund, der daraus hervorkam und durch das Schloss lief.

Quellen: