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Das Feuerchen am Wingertsberg bei Staden

Zwei Männer gingen in der Nacht von Staden nach Blofeld, weil sie an diesem Ort ein notwendiges Geschäft hatten und deswegen früh am Morgen da sein wollten. Wie sie über der Nidda sind und anfangen, auf den Wingertsberg zu steigen, so sehen sie auf einem der vordersten Stocke desselben ein Feuerchen brennen. Sie hatten gerade ihre Pfeifen aus dem Sack gelangt, und so gingen sie zu dem Feuerchen, das ein Häufchen glühender Kohlen war. Jeder nahm sich eine glühende Kohle und legte sie auf seine Pfeife. Dann gingen sie wieder zum Blofelder Weg. Aber die Kohlen brannten nicht an, sie mochten machen, was sie wollten. Sie warfen diese darum weg und gingen von Neuem zum Feuerchen, legten frische Kohlen auf ihre Pfeifen und machten sich wieder auf den Weg nach Blofeld. Aber es ging mit den Kohlen gerade wie das erste Mal und sie holten sich zum dritten Mal frische. Auch die wollten nicht anpfengen. Das war doch den Männern verwunderlich, sie warfen die Kohlen hinweg, wie die vorigen und gingen weiter nach Blofeld. Als sie nun am Tage zurückkamen, sagte der eine. »Komm, wir wollen doch einmal sehen, wo die Nacht das Feuerchen gewesen ist.« Sie gingen auf den Acker und suchten, aber sie fanden auf keinem Fleck tote Kohlen oder Asche und so auch den Platz nicht, wo das Feuerchen gebrannt hatte. Darüber wunderten sie sich und suchten am Weg nach den Fohlen, die sie weggeworfen hatten. Da fanden sie statt Kohlen blanke Dukaten. Jetzt erst bemerkten sie, dass die glühenden Kohlen, die sie als Feuerchen gesehen hatten, lauter Dukaten gewesen waren, und es reute sie, dass sie das glühende Kohlenhäufchen nicht mit ihren Stöcken stillschweigend von seinem Platz hinweggescharrt hatten, denn alsdann hätten sie die Dukaten alle gehabt. So war das Feuerchen, wie die Nacht verging, wieder in die Erde gesunken.

Quellen: