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Zwischen Lütter und Schmalnau im Riedergrund stand vor Zeiten ein Hochgericht, jetzt sieht man jede Nacht dort einen Wagen, der von zwölf bis eins umfährt und dann verschwindet. Darin sitzt ein Herr von Weihers.
Dieser hatte nämlich ein armes Mädchen aus der Gegend durch süße Worte zu verführen gewusst, sie alsdann aber verlassen und nicht mehr angesehen. Nach einiger Zeit brachte die Unglückliche ein Kind zur Welt, und wie die Sünde immer wieder Sünden gebiert, so auch hier. Sie wollte ihre Schande vor der Welt verbergen und tötete heimlich das Kind. Das aber blieb nicht verborgen, es kam an den Tag und sie wurde zum Tod durch das Schwert verurteilt. Als nun der Wagen sie an das Hochgericht trug und das Volk sich in Massen hinzudrängte und die Arme beklagte, da rollte plötzlich ein Wagen daher, darin saß niemand anders, als ihr Verführer, der Herr von Weihers, der seine Schändlichkeit so weit trieb, dem Tod des Opfers seiner Lust beiwohnen zu wollen. Da sprach die arme Sünderin einen schweren Fluch aus und verwünschte ihn, er solle keine Ruhe im Grab haben und jede Nacht in seinem Wagen an das Hochgericht zurückkehren. Sterbender Wort aber wiegt gar schwer und Sterbender Fluch erfüllt sich immer. Das erfuhr der Herr von Weihers seitdem bis auf diese Stunde.
Quellen: