<<< vorherige Sage | Hessische Sagen | nächste Sage >>>

Heim leuchten

In Laudenau lebte einmal ein wüster und wilder Mann, der lag den ganzen Tag im Wirtshaus, und wenn er abends heimkam, ritt er mit dem Gaul in die Stube hinein bis vor seiner Frauen Bett. Eines Abends spät, auf dem Heimweg, sah er auf einer Wiese zwei Heerwische tanzen, und weil es eine dunkle Nacht war, so rief er ihnen zu, sie sollten ihm heimleuchten, er wolle ihnen zwei Kreuzer geben! Da kamen die beiden Flämmchen herbeigeschossen und tanzten auf dem ganzen Weg vor ihm her und leuchteten so gut, dass das Pferd an keinen Stein stieß. Ais der Mann aber zu Hause ankam, ritt er hinein und riegelte die Tür hinter sich zu, ohne den Heerwischen den bedungenen Lohn auszuzahlen. Diese warteten eine Zeit lang draußen, dann aber liegen sie wider das Fenster und wurden ihrer so viele und fingen an, so zu toben und zu wirtschaften, dass der Mann jeden Augenblick glaubte, sie hätten ihm das Haus über dem Kopf angesteckt. Mit Zittern und Zagen reichte er die zwei Kreuzer hinaus, da gab’s Ruhe. Der Mann hat sich aber nicht mehr von den Irrwischen den Weg weisen lassen, sondern sich in Zukunft lieber selber heimgeleuchtet mit einer Laterne, was auch nicht mehr oft geschah, denn er wurde von der Zeit an ein gesetzter Mann und blieb abends daheim.

Quellen: