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Drei Schüsse

Ein Bauer aus Kleinheubach, Georg Ludwig, ging eines Abends im Frühling zwischen 8 und 9 Uhr auf die Springwiese, um ein Reh zu schießen, schoss auch dreimal, konnte aber das Tier nicht treffen. Ärgerlich darüber wandte er sich heimwärts, als ihm plötzlich ein ihm unbekannter Mann, der wie ein Förster gekleidet war und eine graue Mütze trug, entgegen kam, ihn anredete und fragte, worauf er geschossen habe. Ludwig leugnete, überhaupt geschossen zu haben. Doch der Fremde sprach, da helfe kein Leugnen, denn er habe den Schuss gehört, und da er, Ludwig, ein so schlechter Schütze sei, wolle er ihn lehren, wie man alle Tage drei sichere und gewisse Schüsse tun könne. Das war Ludwig willkommen und er erklärte sich mit allem einverstanden, was der Fremde von ihm verlangen werde. Da gab dieser ihm eine Wurzel und forderte ihn auf, sofort mit ihm drei Schüsse zu tun. Georg fasste seine Büchse und schoss, und zwar das erste Mal nach der Sonne, das andere Mal gerade in die Höhe nach dem lieben Gott, das dritte Mal nach dem steinernen Bildstock am Steiner. Von dem Abend an trug Ludwig die Wurzel stets bei sich und hatte alle Tage drei gewisse Schüsse, nicht mehr, sodass er drei Rehe, Hasen, Enten, Feldhühner und andere Vögel, kurz was er antraf, wegschoss. Nachdem er die drei Schüsse getan, führte der Fremde ihn in einem Augenblick nach dem entlegenen Pfaffenbrunnen, taufte ihn in des Bösen Namen mit der linken Hand und nannte ihn Fritz Mückenwedel. Auch gab ihm der Fremde eine Buhle, welche ein grünes Röcklein trug und die ihm im Lachental am Röllbacher Brünnlein und anderswo oft ihre Gunst schenkte.

Als eines Tages mehrere Hexen beim Galgen verbrannt wurden und Ludwig im Vorübergehen die Knochen im Feuer liegen sah, da kamen ihm gute Gedanken. Aber im selben Augenblick riss ein Wind ihm unversehens den Hut hinterwärts vom Kopf auf den Boden, dessen er sehr erschrak und sich Gedanken machte, es möge dies wohl ein Vorzeichen seines Todes sein. Er wurde wahrscheinlich später in Kleinheubach verbrannt.

Quellen: