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In der Umgebung von Biblis trieb sich einst ein berüchtigter alter Wilddieb umher, dem die Förster lang nachstellten, ohne ihn erwischen zu können. Das ging aber auch nicht mit rechten Dingen zu. Eines Abends hatten sich vier Jäger vorsichtig an ihn herangeschlichen, sodass sie nur noch ein paar Schritte von ihm entfernt waren und ihn sicher zu fassen vermeinten. Da verwandelte er sich plötzlich in einen Schneisenblock. Die Jäger glaubten, er sei dennoch entwischt, blieben ein paar Minuten am Schneisenblock stehen und berieten sich, in welcher Richtung der Wildschütz wohl zu verfolgen sei. Einer von ihnen benutzte die Zeit, um seine Pfeife an dem Pfahl auszuklopfen. Eben dieser Jäger ging am folgenden Tag allein durch den Wald.
Da begegnete ihm der Wilddieb, grüßte ihn freundlich und sprach: »Es war aber doch nicht recht von dir, dass du deine Pfeife an meiner Nase ausgeklopft hast. Sie tut mir heute noch weh davon.« Zugleich erinnerte er den Jäger an die Gespräche, die derselbe an dem Schneisenblock mit den anderen geführt hatte. Als er das hörte, lief der Jäger fort, so schnell ihn die Beine tragen wollten, denn er merkte jetzt, dass er es mit einem Hexenmeister zu tun hatte. Die Förster ließen aber den Wilddieb fortan in Ruhe, weil sie einsahen, dass sie ihm doch nichts anhaben konnten.
Quellen: