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Der Bär

In den Ruinen des Bickenbacher Schlosses, über dem Dorf Alsbach an der Bergstraße erscheint mittags mit dem Schlag zwölf eine weiße Dame. Ein junger Bauer, der nicht gerade einer von den Ängstlichen war, begegnete ihr und grüßte sie freundlich, denn er glaubte, es sei irgendeine vornehme Frau aus der Gegend. Da trat sie näher an ihn heran und sprach: »Willst du dein Glück machen, heut ist der Tag dazu.«

»Dafür ist mir jede Stunde recht«, erwiderte der Bauer, »aber wie soll ich es anfangen?«

»Es ist leicht«, sprach die weiße Frau, »komm nur die Nacht auf diesen Platz und gib mir drei Küsse, dann sind alle Schätze der Burg dein und ich bin erlöst. Aber fürchte dich nicht, wenn ich dir in anderer Gestalt die Schlüssel zu den Schätzen bringe.« »Fürchten ist meine Sache nicht«, sagte der Bauer, versprach ihr alles und war nachts Punkt zwölf Uhr auf seinem Platz. Da kam eine große Schlange daher, welche die Schlüssel im Maul trug. Dem Burschen graute es zwar, aber er dachte an die Schätze, fasste Mut und blieb ruhig stehen, bis die Schlange bei ihm war. Er wollte ihr den Kuss geben, da trollte sich ein riesengroßer Bär daher, der ganz mit Messern und spitzen Gabeln bedeckt war, Zerstechen und zerschneiden! schrie und geradewegs auf den Burschen losging.

»Ja so war es nicht gemeint«, sagte der Bauer und lief weg, während die Schlange klagende Töne ausstieß.

»So muss ich denn wiederum warten, bis die Wiege aus dem kleinen Bäumchen fertig ist, darin mein Erlöser gewiegt werden muss!«

Was das für ein Bäumchen ist, weiß man nicht, aber dass die Dame noch eine gute Zeit zu warten hat, ist gewiss.

Quellen: