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Ein Krumbacher Hirt trieb eines Sonntags Morgens seine Herde am Rodenstein vorbei und kam nach und nach in die Gegend des Eichbrünnchens. Da sah er auf einmal ein schönes weißes Edelfräulein stehen, das die schönsten schneeweißen Linnen in der Quelle wusch. Der Hirt fing zu schelten an, dass sie den heiligen Sonntagmorgen mit ihrer Hände Arbeit entehre. Aber sie antwortete ihm, sie sei dazu verwünscht und kein Mensch könne sie davon erlösen. Wer sie drei Tage hintereinander in drei verschiedenen Gestalten dreimal auf die beiden Augen und auf den Mund küsst, kann sie von ihrem Fluch befreien. Wie sie nun so schön und holdselig vor ihm stand, gefiel sie dem Hirten, und er gab ihr drei Küsse. Am folgenden Tag kam er wieder, da fand er sie als Kröte, und ob es ihm gleich graute, brachte er es doch über sich, ihr auch so die drei Küsse zu geben. Am dritten Tag war sie aber eine Schlange. Als sie sich so an ihm hinauf ringelte, erschrak er und schrie. Da verschwand sie augenblicklich mit großem Getöse. Seitdem kann sie nicht anders erlöst werden, als durch einen Knaben, der in einer Wiege liegt. Diese muss aus Nussbaumholz gemacht sein, der aus einer Nuss wächst, die ein kleines Nusspflänzchen trägt, welches im Schlosshof steht.
Quellen: