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Ein Mann aus Fränkisch Krumbach war mit seinem Knaben im Holz beim Rodenstein. Da kam ein weißes Frauchen zu ihnen und sagte, des anderen Tags zwischen elf und zwölf Uhr sollten sie dahin kommen, dann werde die Burg wieder ganz so dastehen, wie sie vor Zeiten gewesen. Sie, das Frauchen, werde ihnen als eine Schlange mit einem Schlüsselbund im Maul erscheinen. Der Knabe müsse dann mit seinem Mund die Schlüssel aus ihrem Maul nehmen und mit ihr in das Schloss gehen. Sie würden zuerst das Zimmer aufschließen, in welchem die alten Rodensteiner Herren an einem Tisch sitzen und trinken würden. Dann würden sie durch ein zweites in ein drittes Zimmer kommen, in welchem ein großer Hund auf einem Koffer liege. Den Koffer brauche er nur getrost aufzuschließen, so werde der Hund herunterspringen, ohne ihnen etwas zuleide zu tun. Das Weitere würden sie dann schon sehen, aber glücklich wären sie für ihr ganzes Leben.
Am anderen Tag zu der bestimmten Zeit war der Mann wieder mit seinem Sohn an Ort und Stelle. Da wurde es plötzlich während einiger Augenblicke ganz finster, es kam heran wie ein Rauschen, und das Schloss stand ganz wieder so da, wie es vor Zeiten gewesen. Zugleich kam auch die Schlange herbei, kroch auf den Knaben zu und richtete sich an ihm in die Höhe. Der Junge hätte es schon getan, der hatte Mut genug dazu, aber sein Vater erschrak, sprang hinzu und riss ihn weg. Da wurde die Burg mit einem Schlag wieder zur Ruine, die Schlange kroch wieder fort und winselte und klagte, sie könne jetzt nicht eher wieder erlöst werden, bis das kleine Eichbäumchen am Niedernberg beim Rodenstein so groß geworden sei, dass ein Sarg daraus gemacht werden könne.
Quellen: