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Sagensammlung von M. Rothe
Zahlreiche alte Eichen stehen am Wege vom Forsthaus „Stockhaus“ nach Brenitz, doch eine dieser Eichen war viel, viel älter. Sie war noch groß und auffallend dick. Blätter trug sie schon lange nicht mehr. Dafür aber war sie innen hohl und in der Baumhöhle hauste ein Wurzelmännchen, manchmal auch Holriggen oder Luttchen genannt. Dem Erzählen nach soll es dort schon mindestens Hundert Jahre oder mehr sein zu Hause haben. Verschiedene Fuhrleute, gräfliche Waldarbeiter, Bauern und auch der Förster wollen es oft in der Umgebung der alten hohlen Eiche gesehen haben.
Auch heißt es, das es sich öfters von der Förstersfrau hat Milch, Mehl oder Zucker geben lassen. Zum späten Abend soll das Wurzelmännchen oft in die alte Schänke nach Schadow 1) gegangen sein, aber jedesmal um Mitternacht war es wieder verschwunden. So kam es, daß sich der Krüger mit einigen Bauern verabredete, um dem Wurzelmännchen auf seinem nächtlichen Nachhauseweg zu folgen und es dabei zu beobachten. Und so geschah es auch.
Von der Neugier getrieben, um zu sehen, was der kleine Wicht nach Mitternacht so tat, folgten sie ihm, und sie kamen ihm dabei so nahe, daß das Licht der Kienlampen das Wurzelmännchen blendete. Vor Schreck rief das Männchen: „So wie Ihr mich erschrecktet, so soll auch euer Dorf verschwinden!“ Seit dieser Zeit ward das Wurzelmännchen für immer verschwunden, und kurze Zeit danach verging auch der Ort Schadow.
Quelle: Sagen aus dem Heimatkreis Finsterwalde 2018. Nr. 11