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Sagensammlung von M. Rothe
Es soll vor vielen, vielen Jahren gewesen sein, da gab es direkt noch in der Stadt Finsterwalde ein Jagdhaus in der Langen Gasse und dieses Jagdhaus soll durch einen unterirdischen und somit geheimen Gang mit dem Schloß verbunden gewesen sein. Dieses ehemalige Jagdhaus befand sich damals im Haus Nr. 10 und der unterirdische Gang endete im Keller dieses Hauses. Durch diesen Gang konnten die Schloßbesitzer ungesehen zum Jagdhaus und zurück kommen.
Weiterhin führte eine geheime, schmale Treppe zwischen den Zimmerwänden vom Keller bis zum 1. Stock nach oben. Durch Öffnungen in den Wandnischen war es möglich, daß die Schloßbesitzer nach allen Seiten aus dem Hintergrund die Dienerschaft und Gäste zu beobachten. Im ersten Stock des Hauses war der sogenannte „Saal“ mit einer offenen Feuerstelle. Hier sollen dann die Feste gefeiert worden sein.
Überliefert zum Jagdhaus ist dazu ebenfalls etwas: „u. a. nahm auch der Kurfürst zuweilen hier im Jagdhaus seinen Wohnsitz, denn der zum Schloßbezirk gehörige Forstbesitz mit zahlreichen Wäldern um Finsterwalde war ein gutes Jagdrevier. Es wurde speziell die Auerhahnjagd aus-geführt. Natürlich kam mit dem Kurfürsten eine umfangreiche Jagdgesellschaft mit und dann ging es hoch her. Bei einer solchen Gelegenheit ereignete sich das berühmte Trinkturnier des Bürgermeisters Abraham Koswig1) zu Ehren der Stadt.
Im Jahre 1740 erbaute man dann in Grünhaus ein Jagdschloß, das „grüne Palais„, genannt. Seitdem spielte sich das Hofleben dort ab. “2)
Wir lesen auf Seite 183 in dem Werk „Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg„: „Erwähnt sei ferner das Haus Lange Straße 10 (heute Lange Straße 18) nicht nur wegen der Schlagleiste an dem zweiflügligen Eingangstor und auch wegen 2 angebrachte, frei durchbrochene, gewundene Säulen mit ihrem korinthisierenden Kapitel, sondern auch wegen der tonnengewölbten, mit einschneidenden seitlichen Stichkappen versehenen Durchfahrt, wegen des kreuzgewölbten Ladens und Küche. Die Stuckdecken im selben Gebäude mögen frühestens dem Ende des 17. Jahrhunderts angehören. Die beiden Säulen haben Gegenstücke in den Altarsäulen von Casel und Kreblitz. 3)
Im Keller des Hauses Lange Straße 18 sah man lange noch eine zugemauerte Wand, wo der geheime Gang geendet haben soll. Durch moderne Umbauten im Jahre 1928, verbunden mit Putzarbeiten, wurde das Ende des Ganges nicht mehr erkennbar.
Quelle: Sagen aus dem Heimatkreis Finsterwalde 2021. Nr. 5