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Stock zerbrochen

  Caesar, heisterbac. dial mirac. V. c. 39.

Zwei kölner Bürger, recht ehrenfeste Männer und nebenbei ganz innige Freunde, deren einer Sistapp und der andre Gotfried hieß, reisten zusammen nach Compostella. Eines Tages, als sie so allein dahinritten, brach auf einmal der dicke Reisestock, den Gotfried auf dem Rücken hangen hatte, in zwei Theile. Da Gotfried, um sich schauend, sich allein mit seinem Freunde fand, rief er diesem zu: „Aber, Bruder, was fällt dir ein, daß du mir meinen Stock zerbrichst?“ Das verneinte Sistapp und beschwur selbst mit dem heiligsten Eide, daß er nicht an den Stock gerührt habe; aber Gotfried wollte von nichts hören und hatte fast auf seinen Freund losgeschlagen, wäre er nicht im selben Augenblicke zur Erkenntniß seines Unrechtes gekommen.

Quellen: