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Mündlich. Kunst en Letter - Blad. 1843. Nr. 11.
Ein Lehnsherr von Nieupoort ging eines Tages aus und begegnete auf dem Felde einem fremden Herrn, der sich mit ihm in ein Gespräch einließ und endlich sagte: „Aber, Herr, ihr müßtet doch eine Kirche hier bauen lassen.“ - „Dazu habe ich nicht Geld genug,“ antwortete der Lehensmann, anders thate ich das wol gern.„ - „wenn es nur des Geldes wegen ist,“ sprach der Fremde, „dann lasset es euch nicht anfechten, ich will euch bis morgen früh eine Kirche hinstellen, sondern daß ihr mir einen Pfennig zu geben braucht; dagegen bedinge ich mir nur euer Handzeichen aus.“ - „Das will ich euch geben,“ entgegnete der Lehnsherr, aber an der Kirche darf kein Haar fehlen, anders ist unser Handel null und nichts.“ - „Ganz wohl, ganz recht,“ sprach der Fremde und schied.
Am andern Morgen kam der Lehnsherr auf die Stelle zurück und fand zu seiner großen Verwunderung die Kirche fix und fertig da stehen, nur etwas gebrach ihr. Bald trat der Fremde zu ihm und sprach hochmuthig und triumphirend: „Nun, Freundchen, wie stehts? Seid ihr mit meiner Arbeit zufrieden? beschaut sie nur, da fehlt kein Titelchen.„ „Da fehlt nichts? meint ihr, fragte der Lehensmann, da seid ihr stark in Irrthum, da fehlt etwas sehr Wesentliches.“ – „Und was denn? „ frug der Fremde erstaunt. „Das Kreuz auf dem Thurm,“ antwortete der Andere. „Kreuze machen ist meine Sache nicht! „ schrie der Fremde, erhob sich einem Wirbelwind gleich in die Luft und warf sich aus höchster Höhe auf die Kirche, so daß dieselbe einbrach und zusammenstürzte. Nur der Thurm blieb verschont, und der steht auch noch bis heute und ist in der ganzen Gegend bekannt unter dem Namen: der Teufelsthurm.
Fortleben der Seele nach dem Tode leugnete und noch andere Lästerungen sprach. Als sie so eine Zeit lang zusammengesessen hatten, kam ein anderer noch herein und sekte sich vertraulich zu ihnen und fragte, wovon denn die Rede sei? Das sagten ihm die Spieler und er drehte das Gespräch so lange, bis er mit dem Lästerer übereinkam, daß der ihm seine Seele gegen eine gewisse Summe Geldes verkaufen solle. Der Fremde zahlte das Geld aus und es wurde vertrunken. Schon war die Nacht ziemlich vorgerückt, als der Fremde aufstand und sprach, er müsse nun gehen, doch zuvor ihnen Allen noch eine Frage stellen, und die Frage war: „Wenn Jemand ein Pferd kauft, welches an einen Strick gebunden ist, gehört dann der Strick nicht ebensogut dem Käufer, als auch das Pferd? “ Darauf antworteten die Spieler, das verstände sich wol von selbst. Zu gleicher Zeit aber faßte der Fremde den, dessen Seele er gekauft hatte und flog mit ihm dahin durch die Luft; da sahen die andern wohl, mit wem sie zu thun gehabt.
Quellen: