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Mündlich
Sankt Bavo's Thurm wurde um das Jahr 1460 aufgebaut und hieß die Kirche zu der Zeit noch Sankt Janskirche. Der Baumeister hatte aber im Anfang viele Mühe und wußte lange nicht, wie er es machen sollte, um feste Fundamente zu gewinnen; wie tief er auch graben ließ, er stieß immer nur auf Sand; eine Schicht folgte der andern. Nun saß er einmal drei Tage lang und sann über ein Mittel nach; in der Nacht des dritten Tages endlich fiel ihm eins ein und am Morgen des vierten Tages sprang er seelenfroh zu seines Sohnes Kammer und erzählte diesem, wie er endlich ein Mittel gefunden, festen Grund zu gewinnen, empfahl ihm aber an, keinem Menschen etwas davon zu sagen, indem er selbst es den Werkleuten mittheilen wolle. Der Sohn aber, aufgeblasen von falschem Stolz, wollte den Werkleuten gern glauben machen, er habe das Mittel zuerst gefunden, ging zu ihnen und eröffnete ihnen das ganze Geheimniß. Bald darauf kam der Vater und versammelte die Gesellen alle und verkündete ihnen auch, auf welche Weise er dazu zu kommen gedenke, den Bau zu beginnen und fleißig weiter zu führen; die Werkleute sprachen aber, das wäre ihnen keine Neuigkeit, das Mittel habe sein Sohn ja ausgefunden. Da dunkelte des Alten Auge; nur einen Blick des Zornes warf er auf den Sohn, erfaßte mit gewaltigen Fäusten einen naheliegenden Balken und erschlug den stolzen Schwätzer.
Quellen: